Was hat es mit dem 3D-Grachtenhaus von Dus auf sich?

Im Amsterdamer Stadtteil Noord entwickelt das Architektenbüro Dus Architects (um Hedwig Heinsman, Hans Vermeulen und Martine de Wit) seit Juni 2014 ein aus 4 Stockwerken und 13 Zimmern bestehendes, 3D-gedrucktes Grachtenhaus, im Stil 400 Jahre alter Vorbilder.

Der vom Dus-Team verwendete 3D-Drucker, der sogenannte “Kamer-Maker” (=Zimmer-Macher) besteht aus einem umgebauten alten Seecontainer. Dieser ist 3 Meter hoch, steht auf einer Grundfläche von 2 mal 2 Metern und druckt Bauteile wie Treppen-Stücke, Wände oder Teile der Fassade.

Als Filament verwendet der “Kamer-Maker” einen Bio-Kunststoff, welcher in Form kleiner weißer Kügelchen vorliegt und zu 80 Prozent aus Pflanzenöl besteht. Als Ausgangsstoff für dieses spezielle Filament dient zum Beispiel Bio-Leinsaat, es wird jedoch mit verschiedenen Stoffen experimentiert.

Das 3D-Grachtenhaus in Noord ist ein Forschungsprojekt, welches Unternehmen, Universitäten, Städteplaner und Amsterdamer Bürger gleichermaßen einbindet.

Das Besondere an der Dus-Baustelle, nahe dem Amsterdamer Filmmuseum: Dank der 3D-Druck-Technologie stehen dort weder Kräne noch Planierwalzen, auch der sonst typische Baulärm fehlt.  Es zeigt sich hier also sehr deutlich, dass 3D-Druck-basierte Bauverfahren nicht nur schnelleres und preiswerteres Bauen ermöglichen, sondern auch zur Reduktion von Lärm beitragen.

Weitere Visionen des Dus-Teams: Jeder kann sein eigener Architekt werden. Auch könnte das Haus aus dem 3D-Drucker eine Katastrophengebiete sein, da man, laut den Dus-Architekten, keine Baumaterialien und teuren Grundstoffe aufwendig dorthin transportieren müsste, sondern nur ein paar Mega-Drucker aufstellen und aus den am Ort verfügbaren Materialien Unterkünfte drucken könnte. Letztere Vision ist durchaus mit den NASA- und ESA-Plänen für Mond- und Mars-Basis vergleichbar.

 

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